Poznans Straßenbahnen rollen - sicher und pünktlich

Erstes Betriebshof-Management-System in Polen

Verspätungen Öffentlicher Verkehrsmittel ärgern Fahrgäste genauso sehr wie Betreiber. Im polnischen Poznań haben unpünktliche Straßenbahnen auch dank eines neuen Softwaresystems heute Seltenheitswert.
Das städtische Verkehrsunternehmen MPK Poznań Sp. z o.o. befördert mit einer Fahrzeugflotte von über 300 Straßenbahnen und 320 Bussen über 200 Millionen Fahrgäste im Jahr, und ist damit eines der größten Verkehrsunternehmen Polens. Zur Steuerung und Optimierung der komplexen logistischen und technischen Abläufe auf dem neuen Straßenbahndepot führte die MPK als erstes polnisches Unternehmen ein Betriebshof-Management-System (BMS) ein.

Das 2014 in Betrieb genommene Straßenbahndepot in Posens Stadtteil Franowo ist nicht nur das größte Depot in Polen, sondern auch eines der modernsten in Europa. 150 Züge mit einer Länge von bis zu 45 Metern sollen hier auf einer Fläche von 17 Hektar einmal Platz finden. Der gesamte Komplex besteht aus einer Haupthalle mit elf und einer Parkhalle mit 15 Toren – perspektivisch um weitere zehn Tore erweiterbar – sowie einem Werkstattgebäude und verschiedenen Lagerräumen.

Auch zahlreiche technische Anlagen, z. B. zur Messung der Reifenprofile, zur Drehung der Fahrzeuge (mittel Drehbank unterhalb der Gleise) oder zur Besandung gehören zum Depot. Für die tägliche Versorgung der Fahrzeuge gibt es eine Halle, die einen zentralen Staubsauger, zwei Waschanalagen, eine stationäre Durchfahrtswaschanlage sowie mobile Waschkomponenten zur präzisen Säuberung der Fahrzeuge enthält.

Betriebshof-Management – ganzheitliche Integration aller Abläufe

Eine effiziente Steuerung aller Prozesse in einem Depot dieser Größenordnung ist ohne Softwareunterstützung kaum möglich. Viele manuelle Handlungsschritte bedeuten bei der Komplexität der Arbeitsschritte nicht nur einen signifikanten Zeitverlust, sondern bergen auch die Gefahr menschlicher Fehler. In einem Straßenbahnbetriebshof können diese neben Verspätungen oder gar Ausfällen auch zu einem Sicherheitsrisiko werden.

Aus diesem Grund entschieden sich die Verantwortlichen der MPK für die Einführung des Betriebshof-Management-Systems PSItraffic/BMS aus dem Hause PSI Transcom GmbH, das bereits erfolgreich in Betriebshöfen u.a. in Augsburg, Essen, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart im Einsatz ist. Das BMS bildet sämtliche Abläufe auf dem Betriebshof ab und stellt die aktuelle Betriebs-, Werkstatt-, Fahrer- und Fahrzeugsituation transparent für alle Beteiligten dar. Nach der Einfahrt in das Depot sorgt es für eine prozessgerechte Abstellung der Fahrzeuge, übernimmt die Terminplanung für Werkstatt- und Versorgungsarbeiten, weist die Fahrzeuge Umläufen zu und informiert die Fahrer über ihre Dienste, die Fahrzeugstandorte und deren Zustand.


Routenplanung und Fahrzeugdisposition – zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Eine zentrale Aufgabe des BMS ist die Stellplatzzuweisung im Betriebshof. Mit Hilfe des Optimierungsalgorithmus Qualicision® weist das BMS den Straßenbahnen unter Berücksichtigung zuvor definierter Kriterien einen Stellplatz zu. Das Modul erkennt die sich aus der aktuellen Datenlage ergebenden Konflikte und Verträglichkeiten, berechnet die möglichen Stellplätze und ordnet sie zu. Je nach Ausgangslage erstellt das Modul einen vollständigen Belegungsplan oder ermittelt den Abstellplatz für ein aktuell in den Betriebshof einfahrendes Fahrzeug.

Über RFID-Sender an den Fahrzeugen werden die Straßenbahnen bei der Einfahrt in das Depot identifiziert. Unmittelbar danach erhält der Fahrer die Information, wo das Fahrzeug abgestellt werden muss. So wird ihm beispielsweise bei einer außerplanmäßigen Rückkehr in das Depot aufgrund einer Fahrzeugstörung ein Stellplatz in der Werkstatt zugewiesen. Kehrt das Fahrzeug dagegen planmäßig vom Umlauf zurück und muss weder versorgt, noch repariert werden, wird es für den nächsten Umlauf entsprechend abgestellt.

Über die Weichensteuerung wird das Fahrzeug dann an den vorgesehenen Ort geleitet. Das BMS visualisiert für die Disponenten in der Zentrale die Abstellung der Fahrzeuge sowie sämtliche integrierte Infrastrukturelemente, wie zum Beispiel Weichen, Gleismelder, Detektoren und Ampeln. „Das System berücksichtigt also die Befahrbarkeit und die Beschaffenheit der Schienen und Stellplätze ebenso, wie technische Informationen zum Fahrzeug und Informationen zur Planmäßigkeit des Fahrzeugeinsatzes. Schließlich ermittelt das BMS auf dieser Basis einen sicheren Fahrtweg zur Wartung, zur Repartur oder zum Stellplatz für den nächsten Umlauf“, erläutert Marcin Fig, Projektleiter bei PSI Poznan.


Effizient und pünktlich – Unternehmen und Fahrgäste profitieren­­­

Durch die Automatisierung vieler Abläufe im Depot Franowo hat sich die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in der Zentrale, aber auch in den Bereichen Werkstatt und Versorgung wesentlich verringert.

Der Geschäftsführer der MPK Poznan, Wojciech Tulibacki, bringt es auf den Punkt: „Unter Berücksichtigung der Vielschichtigkeit und der Vielzahl an Prozessen, welche im Depot durch das System automatisiert geleitet werden, ermöglicht die Software einen zuverlässigen, sicheren und pünktlichen Straßenbahnverkehr in Posen. Für uns als Betreiber ist darüber hinaus die optimale Nutzung der technischen Infrastruktur und der menschlichen Arbeitskraft enorm wichtig. Davon profitieren nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern alle Fahrgäste der Straßenbahn in Poznan.“